Philipp Hegglin, 26.04.18

Tipps & Tricks: American Football

Seit das Deutsche Fernsehen unter RAN Sport American Football im freien Fernsehen zeigt, erlebt der Sport einen regelrechten "Boom". Die US-Sportart ist beliebter denn je. Ende März starteten nun wieder alle drei Schweizer Ligen in die neue Saison um den Schweizermeistertitel und ich möchte nach 2016  wieder vermehrt dabei sein.

Für meinen Teil habe ich den Sport lieben gelernt, auch wenn sich mir noch viele Facetten und Feinheiten verbergen. Erfahrene Zuschauer sehen Schach mit Menschen auf dem Rasen, während Laien bemerken, dass alle eigentlich ziemlich oft nur "rumstehen". Zwischen den Spielzügen besprechen sich die Spieler und stellen sich wieder in Formation auf.  Dabei ist es doch sehr ruhig an Spannung, dafür explodiert die Situation an Handlungen sobald der Ball "gesnappt" wird. American Football bietet wie keine andere Sportart einen Platz für so viele verschiedene Spielertypen, die Möglichkeiten ihr Team zum Sieg zu führen. Kleine und flinke Spieler finden einen Platz, schwere und kräftige oder grossgewachsene mit irrsinniger Sprungkraft. Diese Auswahl an Spielermaterial gilt es taktisch klug einzusetzen und da geht American Football erst richtig auf.

Meine Erfahrungen als Fotograf und Auszüge aus meinen gesammelten Notizen aus Recherchen werde ich hier nun zusammentragen. Auf was sollte man achten beim Fotografieren von American Football?

1. Kenne den Sport
Das ist für mich immer der ultimative Faktor für spitzenmässige Sportbilder. Mit einer jungen Schweizer Sportart ist es schwer, die DNA von Beginn an verinnerlicht zu haben. Dennoch gibt es sehr viel Infomaterial in Hülle und Fülle im Internet oder auch als Buchform. Wer dem Englischen nicht mächtig ist, empfehle ich folgenden YouTube Kanal.
Es ist essentiell, sich den Sport zu verinnerlichen um sich mit seinen eigenen Bilder weiter zu entwickeln.

2. Kenne die Teams
Die Sportart ist noch wenig abgedeckt in den Medien, dennoch schreiben einige Teams fleissig News, Spielberichte und sind sehr aktiv auf Social Media. Aus diesen Informationen können wichtige Details herausgelesen werden: Welcher Wide Receiver wird am häufigsten angespielt? Welcher Defensivspieler ärgert den Quarterback am meisten? 
Die Liga A Teams werten sich zudem mit Import-Spieler auf. Spieler aus dem Ausland, die unter anderem mit dem Sport aufgewachsen sind oder allgemein eine grosse Vita an Erfahrung mitbringen. Import-Spieler sollen die Hauptcharaktere im eigenen Spiel bilden und daher gehört deren Nummer vorgemerkt. Wird es in einem Spiel eng, sind sie die Schlüsselfiguren.

3. Wo positionieren mit der Kamera?
Die Mitte der Seitenlinie ist im Normalfall tabu und auf beiden Seiten für die Teams reserviert. Wo stellt man sich den nun hin mit der Kamera?
Was bleibt, ist der Bereich zwischen der Team- und Endzone oder direkt dahinter. Möchtet ihr dem Ball an der Seitenlinie folgen, gibt es zwei Grundsätze: Entweder steht man 10 Yards vor der Offense oder 5 Yards hinter ihr. Vor der Offense gibt es natürlich die Möglichkeiten den Durchbruch des Laufspiels zu erwischen oder einen langen Pass. Hinter der Offense seid ihr die, die den Quarterback Sack fotografieren oder die Übergabe des Balles beim Laufspiel.

Fotografiert ihr für ein spezielles Team, gibt es einen guten Merksatz: Haltet euch dort auf, in welche Richtung sich dein Team hinbewegt. Sodass ihr stets in die Gesichter eures Teams blickt - egal ob Defense oder Offense.

Positionierung hinter der Offensiv Line

4. Langes Teleobjektiv - ab in die Endzone
Besitz ihr ein langes Teleobjektiv gegen 400mm Brennweite, besteht die Möglichkeit euch hinter die Endzone zu stellen. Laufspielzüge sind so einfacher zu verfolgen und normalerweise stehen auch keine Schiedsrichter im Weg. Zusätzlich blickt ihr direkt in das Gesicht des Angreifers, was ein grosser Bonus für ein Bild ist.
Befindet sich das Spielgeschehen sehr nah zur eurer Endzone, begibt euch in die Nähe der Ecke des Spielfeldes. Nutzt hier euer Wissen aus den ersten beiden Punkten und antizipiert das Spielgeschehen.
Besitzt ihr ein solches Objektiv, ist es ebenfalls interessant von der Seitenlinie sehr nah an den Ballführenden zu fokussieren. Also zum Beispiel nur der Oberkörper oder das Gesicht.

Positionierung in der Endzone mit guten Blick aufs Spielgeschehen ohne störende Elemente

5. Welche Objektive?
Bereits habe ich das Teleobjektiv erwähnt. Ein Objektiv erhält ab 80mm Brennweite den Beinamen "TELE". Das ist für eine Feldsportart immer noch sehr kurz. Brennweiten gegen die 400mm ermöglichen erst, das Feld umfangreich abdecken zu können. Ein Weitwinkelobjektiv ist sehr hilfreich in der Endzone um den Punktgewinn festzuhalten!
Solltet ihr "nur" ein 70-200 Objektiv besitzen, hält euch am Besten auf der Höher der Line of Scrimmage auf.

Lange Brennweite gegen 400mm öffnen die Möglichkeit für Bilder auf den Oberkörper

6. Kniet euch hin 
Geht mit der Kamera so nah an den Boden wie möglich. Der Kamerawinkel ist ebenfalls entscheidend und kreiert einen einzigartigen Bildlook. Gerade die Sportler wirken so noch viel mächtiger und imposanter.
Achtet aber unbedingt auf das Spielgeschehen und seid bereit euch schnell aus dem Weg zu machen, falls der Ball zu euch getragen wird.
Knieschoner helfen zusätzlich um eure Knie zu entlasten.

Aufnahme am Boden liegend mit einem 70-200mm Objektiv - auf der Höhe der Line of Scrimmage.

7. Der perfekte Pass
Achtet euch auf die Blickrichtung der Receiver bei einem Fang des Balles. Meistens blickt er zurück aus der der Ball gekommen ist - also zum Quarterback. Daher kann es von Vorteil sein, sich hinter dem Ball aufzuhalten wo er gefangen wird, um somit nicht den Catch im Rücken fotografieren zu müssen. Um einen erfolgreichen Pass zu fotografieren, versucht den Quarterback zu beobachten und dem Ball in der Luft zu folgen sobald er geworfen wird. Ein geübtes Auge lässt schnell erkennen, welcher Receiver mit dem Ball gesucht wird und könnt diesen somit schneller in den Fokus nehmen.

8. Der Quarterback
Es ist übrigens wichtig zu wissen, welcher Wurfarm der Quarterback hat. Wirft der Quarterback nämlich mit dem rechten Arm, positioniert euch ebenfalls auf seiner rechten Seite. Wirft er mit links - steht auf links. Der Quarterback tendiert nämlich allgemein in Richtung seiner Wurfhand zu drehen und zu werfen. Gilt auch gerne für sein Laufspiel um den Ball besser Abschirmen zu können.

Positionierung zwischen Quarterback und Receiver für Blick auf den Catch

9. Field Goal
Mit einer 200 bis 300mm Brennweite lässt sich ein Field Goal sehr gut festhalten. Auf den Holder könnt ihr scharf stellen und auf die Action warten. Lasst in Kick-Richtung etwas Raum im Bild, sofern der Kick geblockt wird von der Verteidigung und ihr somit diese meisterliche Aktion der Defense nicht verpasst. Beim Kick-off bleibt auch genug Zeit um noch auf den Returner neu zu fokussieren. Das gleiche funktioniert natürlich auch bei einem Punt.

Positionierung auf der Seite des Holders beim Field Goal

10. Achtet auf das Spiel
Egal wie gut ihr vorbereitet seid oder welches Fachwissen ihr besitzt, das Spiel kann auch völlig Kopf stehen. Streicht der Runningback einen Sahnetag ein und sich viele Yards erläuft, ist er vielleicht wichtiger im Fokus zu halten, als die Passempfänger. Genau so kann es umgekehrt verlaufen. Stellt euch, als anderes Beispiel, hinter die Offense wenn die O-Line schwächelt und viele Sacks zulässt. Merkt euch die Nummer deren Spieler die auftrumpfen und haltet sie im "Seitenspiegel" um schneller reagieren zu können.
Seid aufmerksam, wenn Goliath zur Niederlage gedrängt wird und geht mit der Geschichte mit.

11. Zweiundzwanzig Spieler
Vergesst nicht, dass 22 Spieler auf dem Spielfeld stehen. Viele starke Bilder gibt es auch von den anderen Akteuren, die nicht auf der Position des Quarterback spielen. Gerade wenn der Spielzug in eure entgegen gesetzte Richtung verläuft, sucht andere, die noch mit dem Gesicht zu euch stehen. An einem erfolgreichen Spielzug braucht es alle 11 Spieler im Team.

Double Team der Offense-Line gegen einen Verteidiger, während eines Laufspiels über die andere Spielfeldseite

12. Vergesst nicht die kleinen Dinge
Eine Möglichkeit, das Spiel zu illustrieren ist das Ablichten von den kleinen Details, die gerne in Vergessenheit geraten. Getapte Finger, Portraitbilder der Spieler, Quarterback ändert den Spielzug oder Schiedsrichter die mit der gelben Flagge ein Foul anzeigen. Diese kleinen Dinge auf dem Feld und noch viel mehr in der Teamzone tragen zu deiner Bildergeschichte bei.
Gerade die Unterbrechungen zwischen den Spielzügen bieten super Möglichkeiten um die Zuschauer, Cheerleaders, Coaches oder Weitwinkelbilder zu machen. Haltet die Augen offen.

Es lassen sich immer wieder Kleinigkeiten finden zum Fotografieren

13. Senkt die Kamera nicht zu früh
Bitte vergesst nicht weiter zu fotografieren, gerade wenn ein Touchdown erzielt worden oder sonst ein wichtiges Play passiert ist. Fotografiert unbedingt die Emotionen nach dem Spielzug. Von lachenden Gesichter, himmel auf jauchzende Luftsprünge bis zu enttäuschende Gegenspieler kann alles dabei sein.
Ein Schwenk auf die Teamzone nach einer gelungenen Aktion ist ebenfalls empfehlenswert. 

Reaktion an der Seitenlinie nach einer verpassten Interception

14. Coin Toss
Fragt das Heimteam und die Schiedsrichter ob es möglich ist beim Münzwurf dabei zu sein. Bisher waren alle Schiedsrichter offen für dieses Vorhaben. Es lohnt sich.

15. Hab' Freude
Sei nicht getrübt wenn das Spiel auf der anderen Seite verläuft oder ein Spielzug verpasst wird. Immer vorwärts schauen und weiter Bilder machen. Das Spiel wird zu dir kommen und vielleicht kriegst du den "Game winning point". Es braucht viel konstante Übung und Geduld. Schlussendlich bringt diese Tugend den richtigen Lohn mit starken Bildern.

16. Einstellungen
Auf die Einstellungen möchte ich hier nicht gross eingehen, diese folgen als separates Thema. Dennoch möchte ich einige hilfreiche Tipps geben, speziell für Sportarten unter Tageslicht.
Die richtige Belichtung finden ist bei Sonnenlicht etwas schwer. Eine Möglichkeit bietet die Belichtung auf den bespielten Rasen einzustellen, sodass der Belichtungsmesser “0” oder “-1/3” anzeigt.
Steht die Sonne sehr hoch, werfen die Helme tiefe Schatten ins Gesicht. Um dem entgegen zu wirken, kann man sich bei der Belichtungseinstellung auf weisse Uniformen konzentrieren. Notfalls, falls keine Mannschaften in Weiss spielt, dienen die Schiedsrichter hervorragend als Unterstützung. Schaltet in der Kamera die Überbelichtungswarnung ein und verändert die Einstellungen so, bis das Weiss in der Uniform beginnt zu blinken. Dadurch sollten die Gesichter unter dem Helm besser zu sehen sein.

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